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Interview über soziale Netzwerke und Web2.0 in den BPT-Mitteilungen 2010

August 23, 2010 by Jan Ehlers on behalf of Rinderpraxis (2 Comments)

 

Soziale Netzwerke im Internet: Freizeitvergnügen oder Lernplattform?

Interview mit Dr. Jan Ehlers, Tierärztliche Hochschule Hannover

 

"Herr Dr. Ehlers, Sie sind Tierarzt und E-Learning-Berater an der TiHo in Hannover. Sie kennen sich mit sozialen Netzwerken im Internet aus und beschäftigen sich wissenschaftlich mit dem Thema Lernen."

Was sind soziale Netzwerke?

Mittlerweile verstehen wir unter sozialen Netzwerken Internetplattformen, in denen sich registrierte Nutzer austauschen. Typische Beispiele sind StudiVZ, XING oder Facebook. Dort hat man die Möglichkeit, sich selbst darzustellen, sich mit Freunden zu verknüpfen und über verschiedene Themen zu diskutieren. Außerdem können die User Bilder, Videos oder Links zu anderen Internetseiten austauschen. Durch die Kommentarfunktionen werden die Diskussion und der Austausch gefördert. Oft gehen diese Netzwerke über den reinen Online-Kontakt hinaus und setzen sich im „richtigen Leben“ fort.

Was können sie dem Nutztierarzt bieten?

Wir leben in einer Zeit der Informationsflut und es wird immer schwieriger, wichtige und hochevidente Informationen herauszufiltern. Hier können kollegiale Netzwerke großen Nutzen haben. Es können Hinweise auf relevante Informationen ausgetauscht oder Problemlösungen diskutiert werden. Die Mailing-Liste „tiermedizin.de“ hat schon gezeigt, wie groß der Bedarf an einem solchen schnellen Austausch ist. Während bei dieser sogenannten Push-Version aber jeder Nutzer Unmengen von Mails erhält, kann sich mit den neueren Web2.0-Techniken jeder Nutzer die für ihn relevanten Informationen heraussuchen („Pull“).

Darüber hinaus bieten diese Netzwerke natürlich auch soziale Aspekte, indem man mit Freunden und Kollegen auch über das fachliche hinaus in Kontakt bleiben kann. Ein ganz typisches Beispiel einer solchen Plattform ist Stayfriends, die es einem ermöglicht, ehemalige Mitschüler wiederzufinden.

Wie nutzen Sie z. B. facebook und Xing?

Ich nutze beides, wobei ich Facebook eher privat nutze und XING mehr beruflich. Nach vielen Umzügen ermöglicht Facebook es mir, Kontakt zu Freunden und Bekannten zu halten. XING hingegen hat meines Erachtens seine Stärken im professionellen Kontext. Es ermöglicht mir, Menschen zu finden und zu kontaktieren, die sich mit ähnlichen Aufgaben und Problemen herumschlagen wie ich. Auch für die Tiermedizin gibt es bei Xing (z.B. ClubMedVet) einige Gruppen, deren Aktivität allerdings erst langsam steigt. 

Was ist mit Datenmissbrauch bei facebook. Was sollte man nicht tun?

Zunächst einmal sollte man sich stets fragen, möchte ich, dass das, was ich hier schreibe oder hochlade, auch von meinem Chef, meiner Schwiegermutter oder meinen Nachbarn gesehen wird. Wenn die Antwort nein ist, würde ich auf das Veröffentlichen verzichten.

Noch weit vor dem Datenmissbrauch und den vieldiskutierten Urheberrechten steht die eigene Medienkompetenz. Wir haben alle schon von Personalchefs gelesen, die potentielle Kandidaten zuerst bei Facebook oder StudiVZ anschauen. Da kann sich das Foto der letzten Party eventuell hinderlich auf die Karriere auswirken. 

Auch ansonsten muss man sich klar machen, dass alles, was man im Internet veröffentlicht, von anderen benutzt werden kann. Gerade bei kommerziellen Plattformen sollte man sich die AGBs durchlesen und schauen, wie viele Rechte man an seinen eigenen „Werken“, wie Texten und Bildern, überträgt. Oft ist diese Übertragung notwendig, um eine Plattform betreiben zu können, aber jeder sollte es bei der Wahl seiner freigegebenen Daten berücksichtigen.

Was ist der Unterschied zwischen bloggen und twittern?

Zunächst einmal nur die Länge der Beiträge. Unter Blogs versteht man chronologisch aufgebaute Internetseiten. Der neueste Beitrag erscheint immer zuerst und ein Blog ähnelt einem Tagebuch; oft zu einem bestimmten Thema. Interessant ist hierbei, dass die Lesenden die Möglichkeit haben, Kommentare zu hinterlassen und auf diese Weise schnell Diskussionen entstehen. Als weiterer großer Vorteil gelten die RSS-Feeds. Ich kann mir mit speziellen Programmen, sogenannten Feedreadern, die Einträge verschiedener Blogs (komplett oder nur zu ausgewählten Schlagworten) anzeigen lassen und mir meine eigene Internetzeitschrift zusammenstellen, ohne täglich auf verschiedenen Seiten nach Neuigkeiten schauen zu müssen.

Twitter ist ein Microblogging-System, bei dem nur Nachrichten bis zu einer Länge von 140 Zeichen gesendet werden können. Das können Hinweise auf Blogeinträge oder Publikationen sein und es können sich auch dort Diskussionen entfalten. So mancher twittert aber auch profaner: „Guten Morgen, Welt“ oder „Gehe jetzt zum Zahnarzt“. Einen großen Boom hat Twitter durch das iPhone und andere Smartphones erhalten, da mit ihnen Twitternachrichten jederzeit an jedem Ort geschrieben werden können. Meine Frau hat Twitter mal mit öffentlicher sms verglichen und damit wahrscheinlich (wie immer) recht.

Welche Foren sind interessant für Nutztierpraktiker?

Das große Tiermedizin-Forum in Deutschland ist www.foren4vet.de. Dort treffen sich alle, die in diesem Bereich tätig sind: von Studieninteressierten bis zu Tierärztinnen. In verschiedenen Diskussionsgruppen werden die unterschiedlichen Bereiche der Tiermedizin abgedeckt.

Im Rahmen eines EU-Projektes (NOVICE – Network of Veterinary ICT in Education) bauen wir gerade ein darüber hinausreichendes soziales Netzwerk für die europäische Tiermedizin auf. Dieses soll den Studierenden und der Tierärzteschaft in Europa, ähnlich wie z.B. Facebook, die Möglichkeit geben, sich zu vernetzen und auszutauschen. Dort werden dann ganz verschiedene Werkzeuge wie Foren, Blogs und Wikis eingesetzt, um zusammen Informationen zu bewerten und zu verteilen.

Duzt man sich im Netz?

Oft. Nein, so einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Es gibt nicht die „ungeschriebene Regel“, dass man sich duzen sollte. Wer sich im persönlichen Kontakt schnell mit seinen Mitmenschen duzt, wird das auch im Netz so fortführen. Wer das nicht mag, bleibt natürlich auch dort lieber beim Sie ­– die Wahl sollte der Situation angemessen sein. Außerdem darf man den Wert nicht vergessen, den uns diese Möglichkeit der Unterscheidung in der deutschen Sprache bietet. Das Du allein drückt ja nicht die Sympathie und Verbundenheit aus. Selbst Netzer und Delling haben sich bis zum Schluss gesiezt und trotzdem sehr wertgeschätzt (sagt man…).

Vielen Dank für dieses Interview !
Die Fragen stellet Dr. Marion Tischer, Berlin

 

 

gleich mal twittern :-)

Michael 3190 days ago

Noch sind die MPT-Mitteilungen ja nicht raus...

Jan Ehlers 3190 days ago